Hallo Feline,
du wirst von mir jetzt nicht viel Negatives hören, immerhin habe ich das Fach danach studiert und arbeite jetzt in einem entsprechenden Bereich.
Ich kann dir nur aus Erfahrung sagen, dass die meisten überrascht sind, dass sie früher oder später dennoch wieder mit gewissen Konzepten aus der Oberstufenmathematik konfrontiert werden.
Dabei rede ich gar nicht nur von klassischen Mathematik-lastigen Fächern wie den Ingenieurswissenschaften, Informatik, Wirtschaftswissenschaften/BWL/VWL oder den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie), sondern vielmehr auch von Medizin, Psychologie, Human- & Sozialwissenschaften, etc..
Ursache dafür ist, dass viele dieser Richtungen, gerade wenn man sie von einem wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, wie es die entsprechenden Studiengänge meist tun, in den letzten Jahren immer datenbezogener wurden. Somit wirst du sehr häufig auf statistische Zusammenhänge stoßen, die du dann idealerweise im Stochastikteil der Oberstufe schonmal angerissen hast.
Ich kann jetzt nicht aus erster Hand berichten, was konkrete Inhalte sind, aber ich habe nur zu oft mit Studierenden dieser Fachrichtungen zu tun gehabt, die dann entsprechende Mathematikfragen hatten, nachdem sie mir ihr Leid geklagt haben, dass sie ja ganz überrascht sind, dass doch wieder Mathematik benötigt wird.
Das dies nichts mit den halbseitigen Aufgabenstellungen aus der Oberstufe zutun hat, da gebe ich dir absolut recht, das bleibt allgemein zu hinterfragen, ob das immer die zielführende Lern- & Lehrmethode ist. Wichtiger als das stumpfe Rechnen dieser Aufgaben ist dann eben ein Verständnis der zugrundeliegenden Thematik. Mag es in der Stochastik sein, dass man aufgrund mehrfachen Durchführens weiß, wie man monoton irgendwelche Wahrscheinlichkeiten der Binomialverteilung aus den Tabellen abliest, hilft es eben später weiter zu wissen, was die konkrete Idee, bzw. das Modell hinter der Binomialverteilung ist.
In anderen Bereichen bist du vielleicht mit Funktionen konfrontiert und musst da Minima und Maxima bestimmen oder dir überlegen was es bedeutet, dass die Funktion monoton wachsend ist. Natürlich hat das dann keinen direkten Zusammenhang mit den entsprechenden Aufgaben aus der Oberstufe, aber die sind eben meistens so formuliert, dass sie die entsprechenden Kenntnisse abbilden und eine Anwendung des Wissens erfordern.
Das da bei weitem nicht alles optimal läuft und häufig die konkrete Anwendbarkeit fehlt, steht dabei außer Frage. Vielleicht ist gerade das eben das Dilemma der Schulmathematik, dass die meisten eben nur an diese Aufgabentypen denken, wenn sie an Mathematik denken. Dabei ist Mathematik eben so viel mehr und findet sich in entsprechend vielen Bereichen wieder.
Ich hoffe das gibt dir den erhofften Motivationsboost und du siehst in Zukunft manches aus der Oberstufenmathematik mit anderen Augen. Wenn du noch Fragen hast, kannst du gern hier kommentieren.
VG
Stefan
M.Sc., Punkte: 6.68K
Dass einige Sachen im Matheunterricht keinen Sinn machen, ist aber wirklich so. Hab als Physiker im gesamten Studium zweimal den "Wendepunkt" bestimmen müssen.
Ob du später nochmal ableiten oder integrieren kannst, wird wahrscheinlich keine Rolle spielen, außer du wirst Ingenieur oder sowas. Aber ob die Zahlen so wie sie dir präsentiert sind Sinn machen, das sollte man schon können und das lernt man unter anderem, wenn man Sachen ausrechnet. ─ anonym179aa 09.12.2020 um 17:50