Keine Mathefrage: Wozu brauch ich Mathe Oberstufe?

Erste Frage Aufrufe: 535     Aktiv: 09.12.2020 um 18:10

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Also Mathegrundlagen sind ja enorm wichtig, das bezweifle ich auch garnicht.

Aber Mathe in der Oberstufe??? Analysis oder Stochastik??? Würde ich wissen das ich das für mein späteres Leben brauchen oder das ich in einen ähnlichen Beruf arbeiten möchte, hätte man ja ein Ziel. Aber wenn eine Aufgabe eine halbe Seite lang geht oder länger bezweifel ich das ich das brauche.

Wer ist meiner Meinung oder kann mir einen vernüftigen Grund nennen wofür ich das später brauche!

P.S: Das Format ist echt cool und viele andere Antworten haben mir geholfen. Auch die You Tube Videos von Daniel Jung sind Klasse!

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Hallo Feline,

du wirst von mir jetzt nicht viel Negatives hören, immerhin habe ich das Fach danach studiert und arbeite jetzt in einem entsprechenden Bereich.

Ich kann dir nur aus Erfahrung sagen, dass die meisten überrascht sind, dass sie früher oder später dennoch wieder mit gewissen Konzepten aus der Oberstufenmathematik konfrontiert werden.

Dabei rede ich gar nicht nur von klassischen Mathematik-lastigen Fächern wie den Ingenieurswissenschaften, Informatik, Wirtschaftswissenschaften/BWL/VWL oder den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie), sondern vielmehr auch von Medizin, Psychologie, Human- & Sozialwissenschaften, etc..

Ursache dafür ist, dass viele dieser Richtungen, gerade wenn man sie von einem wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, wie es die entsprechenden Studiengänge meist tun, in den letzten Jahren immer datenbezogener wurden. Somit wirst du sehr häufig auf statistische Zusammenhänge stoßen, die du dann idealerweise im Stochastikteil der Oberstufe schonmal angerissen hast.

Ich kann jetzt nicht aus erster Hand berichten, was konkrete Inhalte sind, aber ich habe nur zu oft mit Studierenden dieser Fachrichtungen zu tun gehabt, die dann entsprechende Mathematikfragen hatten, nachdem sie mir ihr Leid geklagt haben, dass sie ja ganz überrascht sind, dass doch wieder Mathematik benötigt wird.

Das dies nichts mit den halbseitigen Aufgabenstellungen aus der Oberstufe zutun hat, da gebe ich dir absolut recht, das bleibt allgemein zu hinterfragen, ob das immer die zielführende Lern- & Lehrmethode ist. Wichtiger als das stumpfe Rechnen dieser Aufgaben ist dann eben ein Verständnis der zugrundeliegenden Thematik. Mag es in der Stochastik sein, dass man aufgrund mehrfachen Durchführens weiß, wie man monoton irgendwelche Wahrscheinlichkeiten der Binomialverteilung aus den Tabellen abliest, hilft es eben später weiter zu wissen, was die konkrete Idee, bzw. das Modell hinter der Binomialverteilung ist.

In anderen Bereichen bist du vielleicht mit Funktionen konfrontiert und musst da Minima und Maxima bestimmen oder dir überlegen was es bedeutet, dass die Funktion monoton wachsend ist. Natürlich hat das dann keinen direkten Zusammenhang mit den entsprechenden Aufgaben aus der Oberstufe, aber die sind eben meistens so formuliert, dass sie die entsprechenden Kenntnisse abbilden und eine Anwendung des Wissens erfordern.

Das da bei weitem nicht alles optimal läuft und häufig die konkrete Anwendbarkeit fehlt, steht dabei außer Frage. Vielleicht ist gerade das eben das Dilemma der Schulmathematik, dass die meisten eben nur an diese Aufgabentypen denken, wenn sie an Mathematik denken. Dabei ist Mathematik eben so viel mehr und findet sich in entsprechend vielen Bereichen wieder.

Ich hoffe das gibt dir den erhofften Motivationsboost und du siehst in Zukunft manches aus der Oberstufenmathematik mit anderen Augen. Wenn du noch Fragen hast, kannst du gern hier kommentieren.

VG
Stefan

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M.Sc., Punkte: 6.68K

 

Dem ist eigtl. nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass man in Mathematik, bzw. eigtl. sollte das Schulfach "Rechnen" heißen, lernt Probleme systematisch anzugehen. Und damit sind nicht nur mathematische Problemstellungen gemeint. Noch dazu hilft es einem ein Gefühl für Zahlen zu entwickeln. Nur weil der Computer am Ende einen Wert ausspuckt, heißt das nicht, dass dieser auch stimmt. Und wenn man gar keinen Peil davon hat, was da im Hintergrund passiert, dann wirst du auch nicht erkennen können, ob die Werte so Sinn machen. Ohne Gefühl für Zahlen bzw. dessen Werte in einem Kontext kannst man ziemlich leicht übers Ohr gehauen werden, Statistiken falsch interpretieren oder gar nicht merken, dass die vorliegende Statistik absoluter Mist ist und die Leute manipulieren will.

Dass einige Sachen im Matheunterricht keinen Sinn machen, ist aber wirklich so. Hab als Physiker im gesamten Studium zweimal den "Wendepunkt" bestimmen müssen.

Ob du später nochmal ableiten oder integrieren kannst, wird wahrscheinlich keine Rolle spielen, außer du wirst Ingenieur oder sowas. Aber ob die Zahlen so wie sie dir präsentiert sind Sinn machen, das sollte man schon können und das lernt man unter anderem, wenn man Sachen ausrechnet.
  ─   anonym179aa 09.12.2020 um 17:50

Absolut richtig! Es gibt noch so viele weitere Aspekte, die man betrachten könnte. Das Rechnen als Bezeichnung angemessener ist unterstütze ich in der aktuellen Lehrform absolut. Was schade ist, weil dadurch Mathematik mit monotonem Durchführen bestimmter Abläufe assoziiert wird. Deshalb ist die häufigste Frage an mich auch immer gewesen: Ohh und rechnest du dann den ganzen Tag nur. Nein eigentlich nicht, bzw. gar nicht. Wenn es denn tatsächlich mal ums reine Ausrechnen geht, dann tut das der Computer, der kann das sowieso meist viel schneller und akurater. Man muss ihm dafür aber sagen, was er rechnen soll und dafür braucht man wiederum das Verständnis für die entsprechenden Grundlagen, Modelle und Ansätze.   ─   el_stefano 09.12.2020 um 17:54

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  • Deine Frage ist sicher nicht  unberechtigt. Vieles, was in der Mathematik der Oberstufe verlangt wird ist lárt pour lárt.
    Die Schulmathematik hat sich in vielfacher Weise verselbstständigt.
  • Wie weit die Beschäftigung mit Mathematik, wie sie in den Lehrplänen vorkommt, zur Allgemeinbildung beiträgt, ist zumindest fraglich.
    Die meisten Erwachsenen haben keine Ahnung mehr von dem, was sie in der Schule einmal konnten.
  • Auch wenn es eine Reihe von Berufen gibt, in denen es nicht schadet, wenn man in der Schule mathematisches Denken gelernt hat, so wird die Bedeutung der Mathematik im Schulunterricht deutlich überschätzt.

 

 

 

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Punkte: 862

 

Das gleiche könnte man über jedes Schulfach sagen. Die meisten Erwachsenen haben auch keine Ahnung mehr von dem, was sie in Deutsch, Musik oder Biologie in der Oberstufe gelernt haben. Es gibt eine Reihe von Berufen, in denen diese speziellen Fähigkeiten praktisch sind (und zwar deutlich weniger als die, in denen Mathematik wichtig ist, wenn wir nur vom Stoff der Oberstufe reden), aber im "richtigen" Leben muss man selten expressionistische Gedichte oder Beethovens Symphonien analysieren. Dass sich so viele über die Mathematik beschweren, liegt nur daran, dass viele Probleme in dem Fach haben und nicht, dass das Fach weniger sinnvoll ist. Außerdem stimme ich allem zu, was in der anderen Antwort geschrieben wurde, die doch viele Vorteile von Mathematikunterricht aufführen.   ─   stal 09.12.2020 um 18:07

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