Online Mathestudium

Erste Frage Aufrufe: 471     Aktiv: 07.12.2021 um 11:44

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Hi

meine Tante ist sehr matheaffin (ihre Begabung scheint familiär), aber sie ist inzwischen berentet und gesundheitlich auch kaum mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen.

Da sie früher gerne Mathe (z.B. für Lehramt) oder Informatik studiert hätte, hat sie sich nun überlegt, ob sie ihren Wunsch nicht inzwischen online erfüllen könnte (zu ihrer Zeit gab es nicht mal PCs, geschweige denn Internet). So hat sie mich gefragt, ob es das gäbe, ein vollständiges Studium, wo man angeleitet wird, welche Kurse nach der Reihe sinnvoll sind (an einer  Unis bekommt man ja auch Hilfestellung), online, freie Zeiteinteilung,egal wie lange man braucht und v.a. kostenlos, möglichst mit Tests aber natürlich ohne Abschluss - sie will es nur können. 

Ich habe keine Ahnung. Vorlesungen oder Kurse gibt es ja genug, aber da muss man sich dann selbst durchkämpfen und Passendes heraussuchen, überprüfen geht dann auch kaum. Weiß jemand, wie man da herangehen könnte, ein solches Projekt dürfte es auch für "Rentnerstudenten" kaum geben. Zumindest nicht im deutschsprachigen Raum (dass ihr Alltagsenglisch für ein Studium ausreicht, glaube ich auch nicht) 

Da sie mich gebeten hat, würde ich gerne helfen, auch mit der Organisation, bin aber überfragt. Habt Ihr Ideen?

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Es gibt jede Menge Fernstudiengänge mit dem Bachelor-Abschluss auch im Bereich Mathematik auf FH- oder Uni-Niveau. Ich habe ein Zweitstudium Informatik vor 30 Jahren an der Fernuni Hagen, das zu etwa 50% aus Mathematikvorlesungen bestand, die sehr kopflastig waren. Aus Lehrerfahrungen mit Studenten an Fachhochschulen kann ich sagen, dass das Vorlesungs- und damit auch das Übungs- und Klausurniveau an FH's viel niedriger und näher am Schulniveau ist.
Das Problem vieler Mathematikstudenten ist, dass für sie Schulmathematik und Hochschulmathematik zu weit auseinanderliegen.
  ─   mathe24 06.12.2021 um 14:54

@mathe24 Eigentlich wäre das ja eine Antwort.   ─   lernspass 06.12.2021 um 15:21

@mathe24 Fernstudien sind ja schon mit Kosten verbunden (siehe kostenlos), Anmeldung, Zwischenprüfung - als reines Hobby, wenn man es nicht braucht, ob das das Gewünschte ist?   ─   honda 06.12.2021 um 15:35

danke, ja für ein Fernstudium hat sie sich schon informiert (das gab es wohl schon zu ihrer Zeit), sie dachte es müsse wohl inzwischen dank weltweiter Vernetzung noch andere Möglichkeiten geben, ohne Bürokratie (braucht sie ja nicht) und mit weniger Kosten (Minifrührente).   ─   patricks 06.12.2021 um 15:40

Sie könnte sich als Gasthörer an einer Uni einschreiben (in meiner Algebra 2 Vorlesung waren auch zwei Rentner) und, da viele Unis aktuell wieder digital sind, so von Zuhause gasthören.   ─   mathejean 06.12.2021 um 16:56

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Die Tante kann ja mal versuchen hier im Forum einige Fragen für sich zu bearbeiten.   ─   scotchwhisky 06.12.2021 um 18:35

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@scotch...: Das halte ich für keine gute Idee. Die Fragen hier haben inhaltlich eine enorme Bandbreite und sind in der Mehrheit so oberflächlich und lückenhaft formuliert, dass die Helfer oft nur mit Mühe und Nachfragen erkennen können um was es überhaupt geht. Wer damit üben will, handelt sich nur Frust ein, den er sich als unerfahrener völlig zu Unrecht selbst zuschreibt.
Da gibt es viel bessere Quellen, die auch schon genannt worden sind.
  ─   mikn 07.12.2021 um 11:44
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1 Antwort
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@mathe24: Das Problem der Studenten ist ein ganz anderes. Die meisten Studenten haben eine falsche Arbeitseinstellung und sind einfach nicht in der Lage zu studieren. In Analysis 1 und Lineare Algebra 1 werden größtenteils Dinge behandelt, die man in der Oberstufe schon einmal gehört hat. Differential- und Integralrechnung, Vektoren, Matrizen, Gauß-Verfahren, usw. Der Stoff liegt also gar nicht so weit auseinander, sondern wird zu Beginn des Studiums lediglich deutlich mehr vertieft, indem fundamentale Sätze aufgeschrieben und vor allem bewiesen werden, was so in der Schule eher nicht passiert. Die Arbeitsweise im Gegensatz zur Schule ist also eine deutlich andere. 
 
Hinzukommt, dass wenn man nach den meisten Modulhandbüchern geht, das Studium zu ca. 60 % aus einem reinen Selbststudium besteht, was Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen beinhaltet sowie die Bearbeitung der Aufgaben. Die meisten denken anscheinend, dass es damit getan ist, die Vorlesungen zu besuchen und am Ende die Prüfung "hoffentlich" zu bestehen (falsche Arbeitseinstellung). Nur die wenigstens beschäftigen sich wirklich mit ihren Unterlagen und schauen sich Aufgaben länger als 10 Minuten an. Die meisten geben doch nach 5 Minuten direkt auf, wenn sie keinen Geistesblitz für die Lösung einer Aufgabe haben. Da wundert es mich dann nicht, dass sie scheitern. 
 
Man sieht es ja auch hier im Forum bei den gestellten Fragen von Studenten. Nur die wenigstens haben sich bereits derart intensiv mit ihrer Aufgabe auseinandergesetzt, um direkt eigene Ansätze zu liefern und in einen Dialog zu kommen. Die meisten "haben keine Ahnung", weil sie sich nicht einmal Definitionen etc. genau durchlesen und versuchen zu verstehen. Selbst, wenn man eine Anleitung mit gibt oder Tipps nennt, werden diese einfach häufig nur ignoriert. Ich sehe hier das Problem also nicht beim Studium an sich, sondern grundsätzlich bei demjenigen, der studiert. ;) 
 
@Topic: Aber back to topic: Auf der einen Seite wird ein vollständiges Studium gesucht, auf der anderen Seite soll es kostenlos und ohne Abschluss sein. Wenn es nur darum geht, "es zu können", sollte es doch ausreichend sein, sich die entsprechende Literatur zu besorgen (die wäre dann aber wieder nicht kostenlos), wovon es einiges auch kostengünstig gebraucht im Internet gibt. Das kann man dann wie man gerade möchte, selbst durcharbeiten und vor allem im eigenen Tempo und ohne großen Druck. Außerdem kann man sich ja selbst aussuchen, in welche Bereiche man tiefer einblicken möchte. So kann man sich beispielsweise überlegen, ob man sich lieber ein Buch zur numerischen Mathematik oder zur Wahrscheinlichkeitstheorie/Stochastik anschauen möchte. Grundlagen dafür liefern in der Regel immer die Vorlesungen zur Analysis und Linearen Algebra. Häufig gibt es auch ganze Vorlesungsreihen dazu auf YouTube. Da könnte man also auch mal reinschauen, was dort zur Verfügung gestellt wird. 
 
Wie in meiner sehr langen Einleitung bereits erwähnt, hängt es immer davon ab, wie sehr man etwas wirklich will. Wenn sie wirklich Interesse und Spaß an der Mathematik hat und den entsprechenden Ehrgeiz mitbringt, dann wird sie da sicherlich auch das ein oder andere schaffen. Zur Überprüfung kann man ja einfach schauen, ob man nicht online irgendwo Altklausuren mit Musterlösungen findet. Das dürfte ja dann eigentlich alles abdecken. Eigene Zeiteinteilung und die Möglichkeit zur Überprüfung. Abgesehen von den Kosten für Literatur ist das dann auch weitgehend kostenfrei. 
 
Für eine sinnvolle Reihenfolge hilft immer ein Blick in die Modulhandbücher oder Studienverlaufspläne der Unis. 
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@cauchy, so ähnlich habe ich es ihr auch gesagt, sich an Studienplänen orientieren, Videos und Vorlesungsskripte zusammenstellen und dazu dann deine Idee mit Lehrbüchern (wobei man erst, wenn man es hat, merkt, ob es (schon) passend ist ;) . Das hatte ich oben mit "Durchkämpfen" bzw. größere Organisation gemeint, und gehofft, es ginge vielleicht leichter (Fernuni wäre so ein schnellerer Weg, aber den wollte sie erst mal nicht einschlagen). danke   ─   patricks 06.12.2021 um 15:58

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Wenn es kostenfrei und ohne Buch sein soll, findet man sicherlich auch das ein oder andere Skript im Internet. Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit, wobei ich Bücher immer vorziehen würde bzw. als Ergänzung parat haben würde, da sie in aller Regel doch ausführlicher sind. Das Skript hingegen bietet aber auch wieder die Möglichkeit, eine gewisse Struktur zu geben. Man muss sicherlich kein komplettes Lehrbuch lesen. :D

Und so groß ist die Organisation nun auch nicht. Du fängst in aller Regel mit Analysis 1 und Lineare Algebra 1 an. Dazu gibt es passend mehr als genug Lehrbücher, bspw. von Bosch oder Otto Forster (werden auch häufig an den Unis empfohlen). Dann suchst du ihr zu beiden "Vorlesungen" ein Skript heraus und/oder auf YouTube eine passende Videoreihe. Die liegen dort auch meist schon als Playlist vor. Und schon hat sie erstmal mindestens ein halbes Jahr lang gut zu tun. Man weiß ja auch nicht, wie fit sie in der Hinsicht noch ist. Aber wie gesagt, damit hat sie definitiv erst einmal gut zu tun. Übrigens kann man teilweise auch Übungsblätter mit Lösungen finden. Optimal wäre dann natürlich dazu die passende Vorlesung.
  ─   cauchy 06.12.2021 um 16:12

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und HIER anmelden nicht vergessen ... :D   ─   honda 06.12.2021 um 16:33

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Ich kann die "Einleitung" von cauchy nur in jedem einzelnen Satz 100% bestätigen.
Das Problem liegt auch an mangelnden Lese/Schreibfähigkeiten (sieht man auch hier im Forum).
Und an den Neffen: matheaffin ist nicht unbedingt eine Frage der Begabung (ein Mangel an Begabung wird gerne als Ausrede benutzt). Heutzutage gibt es alles mögliche online. Ich würde mich auch nicht an einem Studienverlaufsplan orientieren, sondern an Teilbereichen, die einen interessieren (hat cauchy auch schon gesagt). Dann auf eines dieser Fächer konzentrieren.
Für den Anfang würde ich mit einem Vorkurs-Buch/Skript starten, wenn das zu trivial ist, dann eben weiter mit einem Buch/Sript wie Mathe für Ingenieure o.ä.. Wenn man dann die Beweise vermisst, kann man immer noch upgraden. Erstmal sollte eine solide Basis da sein. Dann kristallieren sich auch Vorlieben für bestimmte Themen raus. Organisatorisch (Skripte online suchen usw.) muss dann mal der Neffe ran.
  ─   mikn 06.12.2021 um 16:52

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von meiner Tante recht vielen Dank an alle, ich habe ihr euere Vorschläge und Einschätzungen übermittelt und der Plan ist, in den Weihnachtsferien online zu suchen und einen passenden roten Faden für den Anfang aufzustellen.   ─   patricks 07.12.2021 um 10:06

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